Ilse-Binder-Stiftung

Eine Stiftung von Ilse Binder. Mit dem Ertrag des Kapitals von etwa 250.000 Euro wird jedes Jahr zu Weihnachten den evangelischen Mitbürgern ab 80 Jahren in Neuffen eine Freude gemacht. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gemeindedienstes überbringen persönlich eine Tüte mit Spritzigem, Süßem und einem Losungsbuch für das neue Jahr. Dieser persönliche Kontakt wiegt vielleicht noch mehr als das Geschenk - herzlichen Dank allen, die dabei mithelfen!

Wer war Ilse Binder?

Eine Erinnerung nach einer Vorlage von Eva Schittenhelm aus deren Gesprächen mit Hede Lempp (notiert 2012):

 

Ilse Binder war die Tochter und einziges Kind von Distrikt-Arzt Dr. Binder, Neuffen. Ilse Binder hatte eine Hüftgelenksluxation und war dadurch schwerst gehbehindert. Für den Vater als Arzt war es besonders tragisch seiner eigenen Tochter nicht helfen zu können.

Die Eltern taten alles Menschenmögliche um ihr begabtes Kind zu fördern und ihr Schicksal zu erleichtern. Klavierstunden bekam sie und muss gut gespielt haben, weil anspruchsvolle Noten von ihr mit vielen handschriftlichen Zeichen erhalten sind. Im Zweifelhardt richteten die Eltern einen Garten ein mit besonderen Pflanzen und Blumen. Dazu gehörte ein Gartenhäusle mit Säulen vor dem Eingang, in dem Ilse mit ihren Freundinnen spielen konnte – ein Paradies!

Weiter gibt es entzückende Briefe des Vaters an seine „liebs, liebs Ilsemädele“, seine „Ilsebill“ oder sein „liebs Käsperle“. Die Briefe enthalten Rätsel oder reizende Zeichnungen.

Familie Binder wohnte damals im Haus neben der Kelter, wo Dr. Binder auch seine Praxis hatte.

Als Erwachsene hat Ilse Binder sich trotz ihrer Behinderung in der Gemeinde eingebracht. Der Glaube an Jesus war ihr eine wesentliche Stütze ihr Leben zu meistern. Sie wirkte in der Kirchengemeinde, indem sie treu Sonntag für Sonntag Kindergottesdienst hielt, im Kirchenchor mitsang und Klavierstunden gab. Manche Mädchen erhielten bei ihr auch die ersten Flötentöne beigebracht. Die Musik war ihr Lebenselixier von Jugend an.

Eine andere wichtige Gabe war ihr Humor. Mit großer Freude erzählte sie die Geschichte von Rex, dem Hund der Familie. Er begleitete seinen Herrn auf seinen Gängen zu den Patienten und wartete allemal geduldig auf der Staffel, solange der Herr im Haus war. Einmal wöchentlich hatte der Distriktsarzt Besuche in Linsenhofen zu machen. Die Liste mit den Patienten fand er im Gasthof Linde gegenüber vom Bahnhof, wo er seinen Stützpunkt hatte. Solange der Doktor unterwegs war, lag Rex dösend auf der Staffel und wartete, bis der Besuchsdienst zu Ende war. An einem heißen Donnerstag war der Hund eingeschlafen, als er plötzlich den Zug pfeifen hörte. Sofort sprang er auf und konnte gerade noch in den Wagen springen. Aber – wo war sein Herrchen? Am Neuffener Bahnhof verließ er ordnungsgemäß den Zug und begann am Bahnhof und bis zum Kelterplatz nach seinem Herrn zu suchen. Als der Doktor nirgends zu finden war, rannte Rex zurück zum Bahnhof und stieg in den wartenden Zug nach Linsenhofen. Dort setzte er sich artig auf die Staffel, wo sein Herrchen ihn kurz darauf zur Heimfahrt abholte, als wenn nichts wäre. Aber: Am Neuffener Bahnhof sprach Lokführer Stubenrauch den Doktor an: „Hen se au gmerkt, wo ihr Rex war? Der war inzwischa en Neiffa!“

Es wurde viel gelacht über diese erstaunliche Geschichte.

Fräulein Binder war auch eine Dichterin. Mit ihren Schmunzelversla hat sie die Herzen erfreut. Davon gibt es auch etwas gedruckt.