Die Martinskirche Neuffen: Kunst außen

Martinskirche Nordseite

Der Außenbau der Martinskirche ist weitgehend schmucklos gehalten. Dadurch wirkt die klassische Gestalt einer gotischen Basilika umso reiner. Der Fachwerkturm ist ein späterer Zusatz mit lebendiger Fachwerkzeichnung und spitzem Helm mit bunten Ziegeln.

Beim Rundgang um die Kirche kann man auf das Maßwerk der gotischen Spitzbogenfenster und die Unterschiedlichkeit der Portale achten. Auf der Westseite gibt es auch zwei Friese mit Figuren, zwei Kreuzblumen und oben am Giebel ein Steinkreuz.

 

Hauptkunstwerk am Außenbau und der ganzen Kirche ist der qualitätvolle "Ölberg" auf der Westseite der Kirche neben dem Hauptportal. Derartige Figurengruppen gab es um 1500 häufig an Kirchen, oft auf der Südseite des Chores angebracht. In Neuffen erhielt der Ölberg ein eigenes Haus auf der Westseite, wo er hinunter zur Hauptstraße grüßt.

Seine Entstehung verdankt der "Ölberg" einer Stiftung des Neuffener Bürgers und Weingärtners Aberlin Schech (auch: Albrecht Schaich). Den Namen findet man links vorn und noch einmal auf der linken Seite unter dem Bogenansatz eingemeißelt, wo der Stifter auch selbst sitzt und anbetet. Der Überlieferung nach war der Anlass zur Stiftung der Dank für die Genesung der einzigen Tochter des Stifters.

Die Stiftung von 1504 wurde architektonisch durch die Werkstatt des Hans Buß in Nürtingen und figürlich durch die Werkstatt Christoph von Urach ausgeführt (so die allgemeine sachverständige Vermutung). Die Jahreszahl 1504 steht auf dem Schild am Bogenansatz links und 1884 ist auf der andern Seite verzeichnet. Ob diese Jahreszahl eine Erneuerung bezeichnet, zu der auch der Name "J. Rausch" im unteren Gesims gehört?

Der "Ölberg" selbst zeigt die Szene des Gebets Jesu im Garten Getsemane am Ölberg unmittelbar vor seiner Verhaftung (vgl. Mk.14,22-32; Lk.22,39-46). Zentral und am größten dargestellt kniet Jesus und betet gen Himmel mit weit geöffneten Augen: "Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!"

Im Garten verteilt liegen die drei Jünger, die Jesus mit sich genommen hat: Petrus, Jakobus und Johannes. Obwohl Jesus zu ihnen gesagt hatte "Bleibet hier und wachet!" werden sie vom Schlaf übermannt. Petrus ist der Jünger unten rechts mit dem Schwert, Jakobus in der Mitte und der Gelockte oben links mit dem Buch dürfte Johannes sein.

Stifterfigur

Der kniende Beter links am Rand der Szene stellt den Stifter dar, dessen Wappen mit Winzermesser ihn als Wengerter ausweist. Er bietet zugleich die Möglichkeit für den Betrachter sich mit ihm zu identifizieren und seinerseits anzubeten. Früher befanden sich vor dem Ölberg einige Treppenstufen, die es erlaubten hochzusteigen und selbst niederzuknien und Teil der Szene zu werden (bis etwa 1870).

Gruppe der Häscher und Beteiligten

Oben in der Szene, durch einen kleineren Maßstab entfernt und in der Bedeutung gegenüber Jesus zurückgenommen erscheinen diejenigen, die Jesus im Anschluss an sein Gebet gefangen nehmen werden oder dabei beteiligt sind.

Die Bedeutung der einzelnen Figuren ist zum Teil ungeklärt (Deutungen sind willkommen):

(0) Ein Soldat.

(1) ??? ("Wegseher")

(2) ??? ("Versteckter")

(3) Der leibhaftige Satan

(4) Ganz versteckte Person

(5) Frau? mit Vogelköcher? - Vertreter der Händler, die Jesus aus dem Tempel warf?

(6) ??? ("Engelsgesicht")

(7) Judas Ischariot mit dem Geldbeutel um den Hals

(8) ??? ("Mitläufer")

(9) Soldat mit Schlange

(10) Ratsherr, der es will, was geschieht.

Der betende Jesus